Moralisch bedenklich oder aufklärend sinnvoll?

06 10
2009
Moralisch vertretbar?
Bild: Wikipedia

In Computerzeitschriften, Blogs und anderen Quellen ist immer wieder von Programmen zu lesen, die Hackern helfen Sicherheitslücken auszunutzen und in Systeme einzudringen. Die Programme werden teilweise sehr detailliert vorgestellt, so dass die Bedienung selbst für Leute mit geringen Computerkenntnissen nahezu problemlos möglich ist. Ist dies moralisch bedenklich oder sinnvoll um auch Unwissende vor den Gefahren zu schützen?

Zu diesem Beitrag hat mich Kevin Tuping mit seinem Kommentar zu meinem Artikel Netzwerkschlüssel knacken angeregt. Er schrieb:

Also euren Beitrag an sich finde ich sehr gut, ABER das ihr auch noch Programme betitelt um so kleinen Anfänger Hackern die Gelegenheiten geben sich daran zu versuchen Wlans zu knacken!Hackern ist jedes Mittel recht! Also auch verbotene bzw illegale Programme downloaden!

Mir stellt sich hier wirklich die Frage, wann ein Artikel moralisch verwerflich ist? Wann fördert ein Artikel Aktivitäten krimineller Natur? Werden Leser meines Blogs zum Hacken ausgebildet oder fördere ich durch meine Artikel die Möglichkeiten oder das Interesse z.B. drahtlose Netzwerke zu hacken?

Ist wireless-24.de eine Adresse auf der sich Hacker tummeln?

Bei Google nach WLAN hacken gesuchtEhrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass ich hier die Zielgruppe „Hacker“ anspreche. Ich versuche Ihnen, meinen Lesern, hier aus meinen Erfahrungen zu berichten. Neben Tipps und Anleitungen, ist mein Ziel Sie über Neuigkeiten zu informieren. So berichtete ich z.B. als angeblich die WPA Verschlüsselung geknackt wurde.

Wäre ich selbst auf der Suche nach Informationen um ein WLAN zu hacken, würde ich bei Google auch nach WLAN hacken suchen. Dabei spuckt Google fast 300.000 Ergebnisse aus. Darunter Chip.de, Wer-weiss-was.de, YouTube.com und viele andere bekannte Gesichter. Google selbst schlägt mir sogar vor, dass ich noch nach „wlan hacken anleitung“ suchen könnte, wie Sie in der Abbildung sehen. Aber www.wireless-24.de finde ich jedenfalls nicht.

Wird es moralisch unbedenklich, nur weil es viele bekannte Gesichter ebenfalls machen?

Mit Sicherheit nicht. Das will ich hier auch nicht sagen. Aber Fakt ist, dass jemand der ein WLAN hacken möchte, die notwendigen Informationen im Internet finden wird. Teilweise auch auf Webseiten, auf die sich die meisten Surfer niemals verirren würden.

Was wäre nun, wenn außerhalb dieser zwielichtigen Webseiten niemand mehr darüber schreiben würde? Wenn keiner mehr Programmnamen nennt und niemand mehr dokumentiert wie einfach manche Netzwerke zu knacken sind? Das würde in meinen Augen zwei Folgen haben:

  1. Diejenigen, die ein WLAN hacken wollen, werden die Informationen nach wie vor finden.
  2. Der unbescholtene Bürger, der daheim den Komfort von WLAN genießt, ist nicht mehr sensibel gegenüber der Gefahren und wird ein leichtes Opfer.

Es ist im Internetzeitalter schlichtweg nicht möglich Informationen zu zensieren und Interessierten vorzuenthalten. Der einzige Weg ist, Sicherheit durch Aufklärung zu schaffen. An dieser Stelle, muss ich aufpassen, dass ich in keine politische Diskussion abtrifte. Politisches werde ich aus diesem Blog fernhalten so lange wie nur irgendwie möglich. 🙂

Aber mein Fazit ist: Computersicherheit darf kein Expertenthema sein.

Hinterlassen Sie mir einen Kommentar, ich bin sehr auf Ihre Meinung gespannt.

2 Kommentare to Moralisch bedenklich oder aufklärend sinnvoll?

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Sicherheitsblog

18.05.2010 um 10:06

Ich stehe vor dem selben Problem und tat es immer. Computersicherheit *ist* ganz automatisch ein Expertenthema, denn den Durchschnittsuser interessieren die Interna seines Geräts so wenig wie den Autofahrer die Kompressionphase beim Ottomotor. Mit der Begründung, dass es doch für den User reichen muss, auf bunte Icons zu klicken.

Es gibt aber einen ganz erheblichen Unterschied zwischen Auto und PC, der Rechner ist nämlich eine Erweiterung unserer Person in die virtuelle Welt und zugleich eine infrastrukturelle Alles-Maschine. Als solche ist sie Betrugsversuchen aller Art ausgesetzt, eben Problemen der Computersicherheit.

Eine altmodische Balkontür lässt sich aushebeln, das zu berichten informiert nicht die Einbrecher, denn die wissen das bereits. Es informiert aber jene, die solche Balkontüren haben. Und die muss man auch darauf hinweisen, dass fünf Sicherheitsschlösser an der Eingangstür nichts bringen, wenn hinten die Balkontür viel einfacher zu überwinden ist – und auch das wissen Einbrecher bereits.
Nicht anders verhält es sich in Computerfragen.

Fragen wir doch umgekehrt: Wie sieht eine Welt aus, in der über Computersicherheit per Anordnung geschwiegen wird? In einer solchen Welt werden sich die Täter weiterhin gegenseitig informieren, denn was soll das Verbot sie schrecken – sie sind doch ohnehin Computerkriminelle. Die Opfer hingegen werden keine Chance mehr haben, sich zu wehren oder auch nur zu informieren.

Weil PCs „Personal Computer“ sind, ist PC-Sicherheit auch persönliche Sicherheit.

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Sicherheitsblog scareware.de

18.05.2010 um 10:06

Ich stehe vor dem selben Problem und tat es immer. Computersicherheit *ist* ganz automatisch ein Expertenthema, denn den Durchschnittsuser interessieren die Interna seines Geräts so wenig wie den Autofahrer die Kompressionphase beim Ottomotor. Mit der Begründung, dass es doch für den User reichen muss, auf bunte Icons zu klicken.

Es gibt aber einen ganz erheblichen Unterschied zwischen Auto und PC, der Rechner ist nämlich eine Erweiterung unserer Person in die virtuelle Welt und zugleich eine infrastrukturelle Alles-Maschine. Als solche ist sie Betrugsversuchen aller Art ausgesetzt, eben Problemen der Computersicherheit.

Eine altmodische Balkontür lässt sich aushebeln, das zu berichten informiert nicht die Einbrecher, denn die wissen das bereits. Es informiert aber jene, die solche Balkontüren haben. Und die muss man auch darauf hinweisen, dass fünf Sicherheitsschlösser an der Eingangstür nichts bringen, wenn hinten die Balkontür viel einfacher zu überwinden ist – und auch das wissen Einbrecher bereits.
Nicht anders verhält es sich in Computerfragen.

Fragen wir doch umgekehrt: Wie sieht eine Welt aus, in der über Computersicherheit per Anordnung geschwiegen wird? In einer solchen Welt werden sich die Täter weiterhin gegenseitig informieren, denn was soll das Verbot sie schrecken – sie sind doch ohnehin Computerkriminelle. Die Opfer hingegen werden keine Chance mehr haben, sich zu wehren oder auch nur zu informieren.

Weil PCs „Personal Computer“ sind, ist PC-Sicherheit auch persönliche Sicherheit.